Das Objektiv oder Das Auge der Kamera (1. Grundfunktion)

Filmeinlegen hin und ISO her, aber wie kommt denn nun das Licht, also das Bild, auf deinen Film?

Ganz einfach: Genauso, wie ein Bild auf die Netzhaut deines Auges fällt. Das Objektiv ist nichts anderes, als ein technisches, ein künstliches Auge. Und anhand deines eigenen Auges wirst du schnell die Aufgaben und die Möglichkeiten des Objektives erkennen und verstehen.

Dein Auge hat, wir beschränken uns aufs wesentliche, vorne den Glaskörper, der also nicht nur das Auge schützt sondern das Licht “einfängt” oder es “einsammelt”, dahinter die Iris, die sich zusammenzieht und auseinander dehnt und somit die schwarze Pupille, die ja in Wirklichkeit ein Loch ist, größer oder kleiner macht. Und dahinter ist die Netzhaut, auf die das Licht/Bild fällt und von dort, wesentlich komplizierter als ein Fotoapparat, das Bild zum Gehirn meldet.

Jetzt wird es schon klarer: Glaskörper=Objektivlinse/n; Iris=Blendenlamellen; Pupille=Blendenöffnung und Netzhaut=Film.

War doch gar nicht so schwer, oder? Dann weiter:

Wenn du in sehr helles Licht schaust, zieht sich die Iris so zusammen, dass die Pupille ganz klein wird. Somit fällt nicht das grelle Licht volle Pulle auf die Netzhaut sondern wird durch dieses kleine Löchlein stark reduziert. Dadurch wirst du nicht geblendet. Das gleiche geschieht auch, wenn du etwas mit den Augen fixierst, was ganz weit entfernt liegt. Die Pupille wird sehr klein und dadurch alles was ganz vorne liegt unscharf, aber in der Ferne alles super scharf (Fehlsichtigkeiten mal beiseite gelassen).

Nun umgekehrt: Es ist verdammt dunkel. Das Auge braucht, damit Licht auf die Netzhaut gelangt und du was sehen kannst, eine große Öffnung um Licht einzusammeln. Was macht dein Auge nun? Genau, es macht die Pupille riesengroß. Und somit kannst du auch bei Dunkelheit immer noch was sehen. Mit der Schärfe ist es hier umgekehrt wie zuvor mit der kleinen Pupille. Du kannst mit weit geöffneter Pupille alles scharf sehen was ganz vorne ist, aber schon recht schnell verschwindet dahinter alles in der Unschärfe. Probiere es aus! Man ist sich dessen häufig gar nicht bewusst, weil ja der Bereich, den man nicht anschaut, quasi am Rande deines Blickfeldes liegt und von dir nicht beachtet wird.

Und, zack, haben wir das Objektiv und die Blenden erklärt und du hast es verstanden! Nur zur Bekräftigung also noch einmal:

Objektiv ist an der Kamera:

Es ist nicht sehr hell, also Blendenöffnung vergrößern. Oder du möchtest etwas ganz vorne scharf abbilden, aber dahinter soll es so schön unscharf werden. Also auch dann Blende auf! (Bild 1)

Bild1_fgroß

Es ist recht hell, also Blendenöffnung verkleinern. Das selbe auch, wenn du etwas in der Ferne scharf abbilden möchtest, wobei der Vordergrund mehr oder weniger unscharf bleiben kann/soll. (Bild 2)

Bild2_fklein

Etwas blöde ist die Bezeichnung der einzelnen Blendengrößen, aber daran gewöhnt man sich schnell. Und zwar je kleiner die Blendenzahl ist, umso größer ist die Blendenöffnung. Und je größer die Zahl ist, umso kleiner ist die Blendenöffnung. Blende 2,8 ist also ziemlich weit offen und Blende 22 ganz eng zusammen, also klein.

Sag mal selber, das hast du dir sicher alles viel komplizierter vorgestellt, oder?

Wenn du es bis hierher durchgehalten hast, wird dich das nächste Kapitel sicher interessieren, in dem wir dir erklären, was es denn mit einem Teleobjektiv und mit einem Weitwinkelobjektiv und dem Begriff der Brennweite so auf sich hat.