Die 4 Wege zur ersten großen Kameraliebe

Die erste eigene Kamera ist für viele Fotografen eine besondere. Auch beim Einstieg in die analoge Fotografie ist das nicht anders. Im Gegenteil: Hier spielt der Spaß und damit auch das Gefallen an der eigenen Kamera eine besondere Rolle.

Meist übernimmt man einfach, was die Eltern vor Jahrzehnten aufs Abstellgleis verbannt haben und macht damit seine ersten Erfahrungen. Da ist es, vorausgesetzt man findet gefallen am analogen Prozess, aber nur eine Frage der Zeit, bis man Lust auf „was eigenes“ hat. Gerade der Analoge Kameramarkt ist jedoch tückisch und hält aufgrund der alternden Apparate und der enormen Auswahl die ein oder andere Stolperfalle bereit.

In Diesem Artikel möchte ich euch 4 gängige Wege, und das Für und Wieder jedes einzelnen, zu eurer ersten eigenen „Analogen“, aufzeigen.

Ebay

Das Schema ist klar: Auf die Lauer legen, interessante Auktionen beobachten und bei einem guten Preis zuschlagen. Meist sind es Privatleute, die die alten Kameras nicht selten geerbt oder beim aufräumen gefunden haben und kaum bis gar nicht beurteilen können, in welchem Zustand Kamera und Zubehör sind. Genauso verschieden, wie die Angebote gestaltet sind, sind oft auch die Absichten der Verkäufer zu bewerten. Nebst genannten Fachfremden Personen, die versuchen noch ein paar Euro mit Opas alter Kamera zu generieren, habe ich leider auch immer wieder solche beobachtet, die ganz offensichtlich bewusst ein Unverständnis für die Technik andeuten, um bekannte Mängel dann ebenso bewusst zu verschweigen.

Alternativ gibt es Angebote zum Sofortkauf, die aber in der Regel keinen besonders attraktiven Preis ermöglichen, dafür hat man hier vereinzelt auch die Möglichkeit auf einen seriösen Händler zu stoßen, der diese Plattform als weiteren Vertriebsweg nutzt seine überprüfte Ware mit Gewährleistung oder sogar Garantie anzubieten.

Fazit:

Gerade wenn Du noch wenig Ahnung von der Technik hast, solltest du um die Auktionen einen großen Bogen machen. Sicherlich kannst du hier verhältnismäßig günstig an viele schöne Kameras kommen, aber in welchem Zustand sie sind und ob der Verkäufer ehrliche Absichten hegt, kannst du aus der Ferne nicht einschätzen. Ohne ein bisschen Ahnung kannst du hier böse auf die Nase fallen. Etwas anders sieht es bei den Festpreisangeboten von Händlern aus. Hier wirst du aber selten ein echtes Schnäppchen machen. Meist sind die Preise eher hoch angesetzt.

Flohmärkte

Der Flohmarkt stellt das analoge Gegenstück zu Ebay da. Somit sind die Vorraussetzungen recht ähnlich.

Ein paar gewichtige Unterschiede gibt es dann aber doch noch. Einerseits hast du hier die Möglichkeit die Kamera vor Ort zu prüfen. Du kannst nicht nur schauen, ob dir das Modell auf anhieb gefällt, sondern auch gucken in welchem Zustand sich die Ware befindet. Viel wichtiger aber: Du schaust deinem Verhandlungspartner direkt in die Augen. Der persönliche Kontakt kann das Bauchgefühl maßgeblich beeinflussen und gibt dir allgemein schnell Aufschluss darüber, ob dein Gegenüber dir gerade ein ehrliches, faires Angebot macht oder eben nicht. Das Angebot ist auf dem Flohmarkt dafür natürlich ausgewählter. In der Regel hat man die Wahl zwischen ein paar verschiedenen Modellen, aber unter dem Strich sind pro Flohmarktbesuch nur wenige Angebote wirklich interessant. Man darf hier keine speziellen Wünsche oder Anforderungen an die neue Kamera haben. Bist du auf nichts Bestimmtes festgelegt, kannst du, gerade als Anfänger ohne „Grundausstattung“, auf dem Flohmarkt das ein oder andere Schnäppchen machen.

Worauf du im Detail achten könntest, wenn du dein Glück auf dem Flohmarkt versuchen möchtest, hat Dominik in diesem Artikel sehr schön zusammengefasst.

Fazit:

Die persönliche Kommunikation mit dem Verkäufer hat zweifellos Vorteile. Du kannst die Ware in Augenschein nehmen und musst dich nicht auf Produktbilder und schwammige Beschreibungen verlassen.
Dafür ist die Auswahl meistens überschaubar. Eine Traumkamera zum absoluten Schnäppchenpreis ist zwar eine schöne Vorstellung, auf dem Flohmarkt aber die absolute Ausnahme. Mittlerweile haben auch die Leute dort gelernt, Ihre Kameras zunächst ein mal im Internet zu suchen, bevor Sie sie dort für wenige Euro verscherbeln. Auch der technische Zustand der Ware ist hier, genauso wie bei Ebay, in der Regel als „ungeprüft“ zu bezeichnen und damit für technisch unversierte ein Problem.

Fotoforen

Was früher ausschließlich über den Stammtisch lief, findet heute auch digital in Foren statt. Hier wird sich über das gemeinsame Hobby ausgetauscht und nicht selten gibt es auch die Möglichkeit hier sein Equipment zu veräußern bzw. zu erwerben.

Der gewichtigste Vorteil hier ist zweifellos, dass du die Kamera in der Regel von jemandem erwirbst, der sich selbst auch, zumindest in den Grundzügen, mit der Technik auskennt, die er zum Verkauf anbietet. Daneben ist der Unterschied zu Ebay dann aber nicht groß. Die Auswahl ist, ein renommiertes Forum vorausgesetzt, riesig. Allerdings hast du auch hier mit der Anonymität des Netzes zu kämpfen. Produkte testen ist hier ebenso wenig möglich, wie es auch hier mal ein schwarzes Schaf gibt, dass nicht ganz ehrlich ist bei der Beschreibung seiner Ware. Der Anteil dieser Personen ist in den Fachforen nach meiner Erfahrung aber erheblich geringer, als bei Ebay. Weniger Glück hast du hier in der Regel bei den Preisen. In Den Foren werden in den allermeisten Fällen „Marktgerechte“ Preise gezahlt. Das heißt du machst zwar ein faires Geschäft, aber eher selten ein echtes Schnäppchen. Natürlich hängt das aber auch von deinem Verhandlungsgeschick ab.

Fazit:

Ich kaufe und verkaufe gerne in den großen (analog-)Fotoforen. Hier hat man den persönlichen Kontakt in Textform, jemanden der sich mit der Ware idr. auch auskennt, die er anbietet und bekommt eigentlich immer einen vernünftigen Preis. Der Vorteil ist ganz klar, dass du mit jemandem ein Geschäft machst, der zumindest oberflächlich beurteilen kann, ob die Ware auch wirklich Freude bereiten wird. Das erkaufst du dir mit dem Verzicht auf außergewöhnlich gute Preise, wie du Sie bei Ebay oder auf Flohmärkten machen kannst.

Fotofachgeschäfte

Die vierte Möglichkeit, die du auf dem Weg zu deiner gebrauchten Analogkamera einschlagen kannst, ist gleichzeitig auch die, welche im Internet, nach meinem Empfinden, am wenigsten Beschrieben wird. Übrigens völlig zu unrecht, wie ich finde.

Zwar ist Das klassische Fotofachgeschäft heute zweifellos seltener geworden und noch ausgewählter sind solche, die eine vernünftige An- und Verkaufsecke pflegen, doch hat man so ein Geschäft erst mal gefunden, kann man hier tolle Kameras erstehen. Vorteile sind zweifellos das Know How, mit dem das Personal in solchen Läden die Kameras überprüft und gegebenenfalls wieder flott macht, bevor Sie zum Verkauf angeboten werden. Ebenso hat man hier in den meisten Fällen auch mindestens eine Gewährleistung, oft auch richtige Garantie auf die Artikel, sodass man sich einige Zeit beruhigt auf das Fotografieren konzentrieren kann. Die Fotofachgeschäfte der guten Art orientieren sich zudem bei der Preisgestaltung an den Marktpreisen, die jeweils gerade aufgerufen werden, sodass man hier oftmals nicht oder nur wenig mehr bezahlt, als anderswo. Klar ist aber, dass, mag das Geschäft noch so riesig sein, die Auswahl meistens limitiert ist. Dafür wechselt das Angebot ständig, sodass sich der ein oder andere Besuch mehr lohnen kann.

An dieser Stelle möchte ich jedem Hamburger ein Besuch beim „Photohaus Colonnaden“ und jedem Münchner ein Besuch bei „Foto-Video-Sauter“ ans Herz legen. Die Gebrauchtabteilungen beider Fachgeschäfte suchen, zumindest in unmittelbarer Umgebung, ihresgleichen.

Fazit:

Hier hast du eine Tolle Möglichkeit dich mit einer schönen Analogkamera einzudecken, die vom Fachpersonal vor dem Verkauf überprüft und für voll funktionsfähig befunden wurde. Für diese Sicherheit zahlst du meist kaum bis gar nicht „drauf“. Nach dem Kauf hast du oft die Sicherheit durch Gewährleistung oder Garantie, sodass du der Freude über deine Neuerwerbung freien Lauf lassen kannst. Ich persönlich kaufe auf diesem Weg oft und gerne neues Fotoequipment.

Und da ist sie dann: Deine Kamera!

Und das ist sie dann: Deine Kamera!

 


Text und Bilder von Till Lennart Vogt