Kinder, eigene Regeln und Emotionen: Robin Cracknell im Interview (Deutsch und Englisch)

The englisch version can be found here.

Wie ich genau auf die Werke von Robin Cracknell gekommen bin kann ich nicht genau sagen. Eventuell war es genau die mysteriöse Macht, von der der Künstler selbt öfter spricht. Was ich genau weiß, ist dass mich die Bilder und die Emotionen die transportiert wurden, sofort in ihren Bann zogen. Ein bisschen Film Noir, etwas Melancholie, Ruhe. Als ich mich endlich dazu entschloss, Robin eine Interviewanfrage zu schicken war ich sehr gespannt auf den Menschen hinter den Bildern. In den folgenden Zeilen erlaubt er uns einen tiefen Einblick in seinen Kopf und in sein Herz, und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Hallo Robin. Kannst du uns kurz erzählen wer du bist?
Mein Name ist Robin Cracknell und ich bin ein Fotograf und Künstler. Ich wurde in Indien geboren und bin in Amerika aufgewachsen. Vor etwa 25 Jahren bin ich aus einer Laune heraus nach London gezogen und dort lebe und arbeite ich im Moment.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich wusste von dem Moment als ich das erste Mal durch den Sucher einer SLR-Kamera eines Freundes sah, dass ich Fotograf werden wollte. Da war ich denke ich 12 oder 13. Irgendwie gab mir das Aufnehmen von Bildern ein gefühl der Stärke und der Kontrolle das ich in diesem Alter besonders brauchte.

Was beschäftigt dich aktuell?
Es ist ein ziemlich neues Projekt. Ich würde  gerne beginnen Landschaften zu fotografieren, denn das habe ich noch nie gemacht. Besonders Wiesen und ihre Verbindung zum Thema Tot und Jenseits. Bilder von Wiesen und Feldern sind üblicherweise sehr „hübsch“ und romantisch. Ich würde gerne eine andere Seite erforschen.

Wenn ich mir deine letzten Arbeiten ansehe wäre ich nie darauf gekommen, dass du als Fashion-Fotograf angefangen hast. Wie kam es zur der Änderung in deinem Stil?
Die Fashion-Fotografie war für mich einfach ein Weg Geld zu verdienen. Vielleicht dachte ich auch es sei ein Teil einer attraktiven und aufregenden Industrie, aber es hat mir nie wirklich gefallen. Wenn es mir etwas gebracht hat, dann den klaren Entschluss, dass ich nach Jahren der „konventionellen Schönheit“ Bilder einer anderene, viel schwerer zu defienierenden Schönheit machen möchte.

Warum arbeitest du mit analogem Material?
Ich möchte bei der Analog gegen Digital Diskussion kein Purist sein. Auch wenn die digitale Fotografie eine schnellere, einfachere und oft auch „effizientere“ und praktische Lösung ist, bevorzuge ich die Emulsion des Films, die Fehler, die Art wie er verblasst und verkratzt. Alte Kameras haben schon als Objekte etwas sehr schönes an sich. Ich liebe ihr Gewicht, die Schwefälligkeit des Verschlusses, den Film mit meinem Daumen zu transportieren….. Vieles an der digitalen Arbeit fühlt sich für mich wie ein gekünstelter „Ersatz“ an. Ich habe es versucht, aber Daten auf einer Festplatte kann man nicht mit der taktilen und emotionalen Wäreme einer Rolle Film und einer Kiste Negative vergleichen.

Woher und von wem bekommst du deine Inspiration?
Ich bin mir nicht sicher was mich inspiriert und was Inspiration generell für mich bedeutet. Inspiration kann eine Art Katalysator für einen bestimmten Ausdruck sein, es kann eine Art dunkle Kraft sein …. eine Art von innerem Ärger, eine Art Rache gegen etwas. Das ist mein bester Versuch es zu erklären. Eine Art, Wut und ungelöste Gefühle in einer produktiven Art zu nutzen. Die Künstler die ich bewundere erschaffen ihre Werke genau aus dieser internen Reibung.

Welches deiner Projekte ist dein Favorit?
Mein Favorit ist eigentlich immer das Projekt, an dem ich gerade arbeite. Denn für mich ist besonders die Phase des „zum Leben erwecken“ aufregend. Wenn ein Projekt gedruckt/abgezogen und ausgestellt ist fühlt es sich irgendwie ein bisschen tot an.

Was wäre ein großes Wunschprojekt für dich?
Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Wahrscheinlich das komplette Gegenteil zu meiner jetzigen Arbeit; ein Filmprojekt, eine Novelle, ein Lied, ein Projekt das Können verlangt welches ich noch nicht habe.

Kannst du die Philosophie hinter deinen Werken erklären?
Es gibt nicht „die Philosopie“ in meinen Werken, außer dass ich es für nötig halte, sie zu erschaffen, um mich und zu verstehen und ein bedeutsames Leben zu leben. Fotografie ist nichts, dass mich glücklich macht und ich würde nicht mal sagen, dass ich besonders leidenschaftlich bin. Aber auf eine misteriöse Art ist es ein erforderlicher Schritt auf dem Weg zu einem „erfüllten“ Leben.

Ich bewundere besonders deine „Notebooks“ und „I saved 100“ Serien. Würdest du uns durch die Entstehung führen?
Die „Notebooks“ sind schwer zu erklären, denn sie sind auch für mich misteriös und sehr intuitiv. Warum heben wir jegliche Art von Tagebüchern auf? Ich mache Notebooks voll mit Bildern und Wörten, weil ich das Gefühl habe, dass ich muss. Ich kann es nicht anders erklären.
Das „I saved 100“ Projekt ist leichter zu erklären: Ich beschloss eine Tages, die Sammlung von Negativen die ich über mehrere Jahre zusammengestellt habe zu zerstören, habe aber 100 Bilder zufällig ausgewählt um eine Erinnerung an diese Entscheidung zu erschaffen. Es fühlte sich für mich an, als ob all die Ornder voll mit vergangener Arbeit mich an meinem Fortschritt hindern.

Du nutzt ja deinen Sohn als Muße und stellst auch Bilder von ihm aus. Das brachte mich auf eine aktuelle Debatte darüber, ob man Werke mit Kindern zeigen sollte oder nicht. Was ist denn dein Standpunkt dazu?
Manche Menschen stehen Künstlern die ihre Kinder als Models benutzen sehr kritisch gegenüber, und ich hatte auch schon eine Menge an Kritk deswegen. Es scheint mir aber, als ob diese Leute die Kinderbilder am meisten ablehnen ein eigenes Problem auf etwas sehr Unschuldiges und Natürliches projezieren. Ich versuche also, diese Meinungen nicht zu ernst zu nehemen. Die Bilder, die ich von meinem Sohn aufnehme sind mit solch einer tiefen Liebe und Verbundenheit aufgenommen, und wenn sie jemand mit Zweifel ansieht, dann ist das sein Problem — nicht meines.

Auf die Gefahr, dass es etwas philosophisch wird: In unserem Team haben wir eine laufende Diskussion darüber, wann ein Foto zu einem Foto wird. In der Kamera, während der Entwicklung oder als Abzug?
Auch darüber habe ich bis jetzt noch nie nachgedacht. Meiner Meinung nach dann, wenn es etwas greifbares wird. Also wenn das Bild in der Emulsion des Films erscheint. Also während der Entwicklung.

Was ist der größte Mythos wenn es um die Arbeit mit analogem Material geht?
Gibt es Mytehn über analoge Fotografie? Ich weiß, dass Leute sagen, es sei mühsam, zeitraubend, eingeschränkt anwendbar und generell viel schwerer als digitale Fotografie. Aber das stimmt alles. Der Mythos könnte sein, dass analoge Fotografie überholt und den Aufwand nicht wert sei.  Ich würde aber offensichtlich antworten, dass es das ist!

Auf welche Frage hast du bisher in allen Interviews vergeblich gewartet und was wäre deine Antwort?
Ich wurde noch nie gefragt, ob es mir Spaß macht Bilder aufzunehmen. Ich denke, dass Menschen davon ausgehen, dass es dir Spaß machen muss wenn du ein Fotograf bist. Also warum sollte man fragen? Tatsächlich macht es mir keinen Spaß. Es fühlt sich immer wie Arbeit an. Sehr stressig und voll von möglichen Fehlern und Enttäuschungen. Ich denke Fotografie ist für mich wichtig und notwendig um ein erfülltes Leben zu führen, aber die Handlung eine Kamera herumzutragen und sich „umzushen“ hat sich für mich immer eher wie eine Aufgabe die gemacht werden muss angefühlt, als wie eine spaßige Aktivität

Welchen Tip kannst du jungen Fotografen mitgeben?
Der einzige Ratschlag, zu dem ich mich qulifiziert fühle, ist dass ihr einfach euerem Instinkt folgen solltet. Versucht so wenig ihr könnt das zu beachten, was Andere, besonders „Experten des Fachs“, über eure Arbeit sagen. Vermeidet Portfolio Rezensionen und Einsendungen die ihr zahlen müsst, generell jede Art von Preis oder Auszeichnung mit einer Jury. Auszeichnungen und Zuspruch von anderen Menschen sind, wenn überhaupt, nur ein Störfaktor für die innere Stimme die euch dazu aufruft, zu arbeiten, zu denken und nach euren eigenen Regeln und Standarts zu leben.

Noch letzte Worte vor dem Ende des Interviews?
Keine letzten Worte, außer vielen Dank für das Interesse an meiner Arbeit. Ich schätze das wirklich sehr.

Falls ihr mehr von Robins Werken sehen wollt, könnt ihr das auf seiner Homepage.

Das Interview wurde per Mail und Chat von Kay geführt.

 


 

I can’t really tell how i found Robin’s work, it might be the strange forces the artist himself talks about. But I do know, that the emotions transported through the pictures immediately got me. A little Film Noire, a litte depressive, peace. I decided to ask Robin if he would like to do a little interview and I was really excited to meet the guy behind the photos. The following answers allow you a very close and private peek into the mind of Robin Cracknell:

 

Could you tell us a bit about you?

My name is Robin Cracknell and I’m a photographer and artist. I was born in India and raised in America. About 25 years ago, I moved to London on a whim and this is where I continue to live and work.

 

How did you get into photography?

From the first time I looked through a friend’s SLR camera, I knew I wanted to be a photographer. I think I was about 12 or 13. Somehow, taking pictures gave me a feeling of power and control which I think I particularly needed at that age.

 

What keeps you busy these days?

It’s a very new project but I’d like to start shooting landscapes which is something I’ve never down before — particularly meadows and their connections to death and the afterlife. Photographs of meadows and fields tend to be so ‘pretty’ and romanticised. I’d like to explore another side to them.

 

I wouldn’t have expected you to be a fashion photographer looking at your recent work. What made

you change your style?

Fashion photography was simply a way to earn some money and maybe feel like part of what appeared to be an attractive, exciting industry but I never really enjoyed it. If anything, those years of photographing ‘conventional beauty’ hardened my resolve to take pictures of another sort of beauty, much harder to define.

 

Why analog material? What does it mean to you?

I try not to be a purist about the whole analog vs digital thing but although digital photography is swifter, easier, and often the more ‘efficient’ and practical solution, I prefer the chemicals of film, the mistakes, the way it fades and scratches. There is also something very beautiful about old cameras simply as objects. I love their weight, the clunkiness of shutters, winding on film with my thumb … So much of digital work just feels ‘ersatz’ and contrived to me. I’ve tried but data on a hard drive just does not compare to the tactile and emotional warmth of rolls of film and boxes of slides.

 

What inspires you? Are there any artists you look up to?

I’m not sure about inspiration, what it is or where it comes from. Inspiration, as a catalyst for expression, can be a dark force … a sort of internal anger, a sort of revenge against something. That is the nearest to how I can express it. A way to channel anger or unresolved feelings in a productive way. The artists I admire are artists whose work comes from this sort of internal friction.

 

 

What’s your favorite project you’ve done so far?

My favourite project is always the one in progress because it is in that exciting ‘coming to life’ stage. Once a project is printed and exhibited it feels a bit dead to me.

 

What would be your dream project?

I’ve never thought about what my ‘dream project’ might be. Perhaps something completely different to photography; a movie project, writing a novel, writing songs, a project requiring skills I may not know I have.

 

 

Could you explain your philosophy concerning your work? What makes you do what you’re doing? I especially admire your “Notebooks” and “I saved 100” series. Could you go a bit further into datail on how you create them?

I have no particular philosophy about my work except that it feels necessary for me to produce images in order to understand myself and live a meaningful life. Photography isn’t something that makes me happy nor would I say I’m even that passionate about it but, in some mysterious way, it’s a necessary path to a ‘complete’ life. The ‘notebooks’ are difficult to describe because they are very intuitive and mysterious — even to me. Why do we keep diaries or journals of any sort? I make notebooks of pictures and words because I feel I must. I can’t explain it further than that. The ‘I Saved 100’ project is easier to explain: I decided one day to destroy many years’ worth of accumulated negatives but saved, at random, 100 frames to memorialise that decision. At the time, I felt that holding on to all of these folders of past work was inhibiting my desire to create new work.

 

Using your son as a muse and using exhibiting photos of him made me think about the ongoing discussion about wether children’s photos ar good to be exhibited or not. What’s your take on that problem?

Some people are very critical about artists who use their children as models in their work and I’ve been subjected to a great deal of that criticism myself but it seems to me that those who object most to images of children are projecting their own personal issues onto something quite innocent and natural so I try not to take any of those opinions too seriously. The photographs that I take of my son are done so with intense love and affection and if anyone views them with suspicion, that’s their issue — not mine.

Getting a little philosophic now, I’d like to ask for your oppinion on an ongoing discussion in our little team: At what point does a photo become a photo? Does it happen in the camera, while developing or while printing?

When does a photo become a photo? I’ve never thought about it until now but, in my opinion, I’ll say when it becomes something tangible, when the image appears in the emulsion of the film so … while developing.

What’s the biggest myth about working with analog material for you?

Are there myths about analog photography? I know people say it’s tedious and time consuming and limited and generally much more effort than digital photography but all of this is true. The myth  might be that analog photography is slightly obsolete and just not worth the effort while I would say, obviously, it is.

 

 

What’s the question you’re still waiting to be asked in an interview and how would you answer it?

I’ve never been asked if I enjoy taking pictures because, I suppose, people assume that if you’re a photographer, you must enjoy it so why ask? I actually don’t enjoy taking pictures. To me, it always feels like work, very stressful and full of possibilities for failure and disappointment. I think photography is important and necessary for me to live a full life but the act itself of carrying around a camera and ‘looking’ has always felt more like a task that needs doing rather than a joyful activity.

 

Is there any advice you could give to aspiring photographers?

The only advice I feel qualified to give another photographer is simply to follow your instincts and take as little notice as possible of what others, or particularly ‘industry experts’, have to say about your work. Avoid portfolio reviews and paid submissions or any sort of juried awards or prizes. Awards and the approval of others are, at best, distractions from that inner voice calling you to work, think and live by your own rules and standards.

 

Any last words and/or safety advices before we end the interview?

No last words except thank you so much for taking an interest in what I do. I really do appreciate that very much.

If you want to see more of Robin’s work you should check his Homepage.

The interview was done by Kay via e-mail and chat.

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