ZENIT TTL

Ich bin eine sehr robuste Spiegelreflexkamera, die mit vielen (unbegründeten) Vorurteilen zu kämpfen hat, aber für sehr wenig Geld zu bekommen ist. Darf ich mich vorstellen?

Mein Name ist ZENIT TTL und ich bin eine gebürtige Russin.

Selbst der Umstand, dass viele Leute mich nicht kennen, ändert nichts an der Tatsache, dass Kameras meiner Familie die meist verkauften Kameras weltweit sind. Keine Japanerin, keine Deutsche, keine Schwedin und keine Amerikanerin kann mir in dieser Beziehung das Wasser reichen. Umso betrüblicher ist es, dass ich von vielen (Unwissenden) verleumdet und verschwiegen werde.

Ich habe alles, was ein Einsteiger und auch ein Fortgeschrittener in der analogen Fotografie braucht. Vor allen Dingen habe ich kein markenspezifisches Bajonett sondern das M42 Schraubgewinde. Diesen Objektivanschluss hatten nahezu alle Marken, bis sie ihre eigenen Bajonette verbauten. Der große Vorteil für mich, bzw. für meinen Herrn und Meister ist es dadurch, dass uns eine riesengroße Auswahl an Objektiven zur Verfügung steht. Und wir zwischen nahezu allen Brennweiten und Qualitäten wählen können. Zum Teil zu lächerlich niedrigen Preisen.
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Aber reden wir jetzt nicht von Objektiven, reden wir von mir:

Über meine Schönheit lässt sich streiten. Ein Leichtgewicht bin ich auch nicht. Schmuck und anderen Zierrat, ausgefeilte Elektronik, Automatiken oder andere Schnörkel wird man vergeblich bei mir suchen. Ich besitze so etwas nicht. Aber man kann mit mir fotografieren. Und die Fotografie begreifen lernen. Ehrliches, handwerkliches fotografieren. Und darauf kommt es ja wohl an. Wenn du jetzt ein wenig neugierig geworden bist, erzähle ich dir was ich habe und wie ich funktioniere:

Ich bin massiv gebaut, verfüge über einen M42 Objektivanschluss (1), einen Schnellspannhebel für Filmtransport und Spannung des Verschlusses (2), ein Verschlusszeitenrad für die Zeiten 30 (=Blitzsynchronisation), 60, 125, 250, 500 und B (3), ein Bildzählwerk (4), eine Filmempfindlichkeitseinstellung unter Rückspulkurbel (5), einen Auslöseknopf mit darunter befindlichem Rändelring für die Freigabe des Rücktransportes (6), einen Zubehörschuh (7), eine Blitzkabelanschlussbuchse (8) sowie über ein Vorlaufwerk für den Selbstauslöser (9). Der einzige Luxus mit dem ich aufwarten kann, ist ein mit Blende und Zeit gekoppelter Belichtungsmesser. Die Stromversorgung dafür erfolgt mit einer handelsüblichen V625U-Knopfzelle.

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Serienmäßig hat man mir das Objektiv Helios 2/58 angedockt, das im Aufbau ein Biotar-Nachbau sein soll, also ein 6-linsiges „Gausssches Doppelobjektiv“. Es ist ein scharf zeichnendes, sehr gut verarbeitetes Objektiv und für die meisten Motive im Alltag geeignet. Es kann sich durchaus mit den vergleichbaren Objektiven „großer Marken“ messen.

Das Filmeinlegen wurde in den Basics bereits beschrieben. Der Belichtungsmesser zeigt in meinem Sucher mittels einer Nadel und bei halb durchgedrücktem Auslöser an, ob die Blenden-Zeitkombination passt oder ob sie zu einer Unter- oder Überbelichtung führen würde. Die Entfernungsmessung erfolgt über ein Mischbild auf der Fresnell-Scheibe im Sucher und ist sehr zuverlässig.

Wenn du also keine Diva sondern eine funktionierende, ehrliche und unkomplizierte Spiegelreflexkamera suchst, die auch mal einen Knuff verträgt, die noch dazu für ganz kleines Geld zu haben ist, bin ich genau die Richtige für dich. Meine Schwestern (z.B. 12XP u.folgende) und ich werden dir immer eine treue Begleiterin sein. Versprochen!

3 Comments
  1. Hm…..wenn sie schon tot war, verwundert dich das doch nicht wirklich? Das ist ja nur wirklich jetzt kein Maßstab für dieses solide Eisenschwein!

  2. das große Highlight dieser Kamera ist imho das Helios-Objektiv. Vom Gesichtspunkt der Preis/Leistung kann diesem kaum ein anderes das Wasser reichen. Ich selbst habe das Helios meiner Zenit EM ständig an meiner Minolta. Scharf, präzise, relativ lichtstark und unschlagbar günstig…

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